Achtsamkeit im Job

Rigobert Hofmann – Lebenspraxis

Leistungsfähigkeit, Gesundheit und Wohlbefinden von Beschäftigten zu erhalten ist im Interesse von Unternehmen und Mitarbeitern gleichermaßen und Achtsamkeit kann dazu ein Schlüssel sein. Der Benefit der Achtsamkeit für die Arbeitswelt beschränkt sich jedoch nicht allein auf Stress bewältigen, reduzieren, abbauen, Burnout-Prävention. Achtsamkeit im Unternehmen, vielleicht sogar als ein wichtiger Teil der Unternehmenskultur, kann dazu beitragen, dass das Potential von Mitarbeitern besser angesprochen und gefördert, bzw. zu Tage befördert wird. Das nützt allen, Beschäftigten wie Unternehmen. Und wie die Forschung zeigt, fördert Achtsamkeit obendrein einige meschliche Fähigkeiten, die im Beruf zusätzlich sehr nützlich sein können.

Unternehmenskultur im achtsamen Wandel

Die Großen gehen voran. Google, SAP, Bosch, Continental und andere. Achtsamkeit ist längst in vielen Unternehmen angekommen und gerade auch die Führungskräfte werden dort im Sinne eines „Mindful Leadership“ geschult. Ich gehe davon aus, dass dieser Unternehmenstrend Achtsamkeit noch viel mehr im Mainstream ankommen lässt als das über den privaten Bereich allein je geschehen würde. Bei SAP ist das von Google übernommene Achtsamkeitstraining „Search Inside Yourself“ laut Peter Bostelmann („Director of Global Mindfulness Practice“ bei SAP) „das mit Abstand populärste Trainingsprogramm“ (Zitat aus einem Interview in moment by moment 03/2017). Tatsächlich werden bei SAP heute mehr Achtsamkeitstrainings durchgeführt als bei Google selbst. Und dort wurde „Search Inside Yourself“ immerhin entwickelt, nämlich von dem Ingenieur Chade-Meng Tan. SAP hat sich ganz bewusst auf den Weg gemacht zu einer achtsamen Unternehmenskultur. In den Augen von Britta Hölzel (Psychologin, Hirnforscherin) und Claudia Braun (Unternehmensberaterin, vgl. Beitrag zur Forschung) besitzt Achtsamkeit ein starkes transformatives Potential durch das sie zu einem Kulturwandel in Unternehmen beitragen kann (Aussage aus „Kann man Achtsamkeit messen“, vgl. unten Beitrag zur Forschung).

Achtsamkeit ist in der Wirtschaft angekommen!

2017 organisierte die WirtschaftsWoche sogar ein Retreat in einem Zen-Kloster. Eingeladen waren Führungskräfte aus der Wirtschaft, Neurowissenschaftler und buddhistische Mönche. Wenn ein Wirtschaftsmagazin wie die WirtschaftsWoche im Online-Artikel „Für mehr Achtsamkeit im Alltag“ in Anbetracht mancher nachteiliger Auswirkungen des digitalen Zeitalters befindet, es sei Zeit, sich wieder auf sich und sein Leben zu besinnen, dann ist etwas im Gange, ohne Frage.

Achtsamkeit: Unternehmen können wirtschaftlich profitieren!

Die Achtsamkeit selbst bietet nicht nur die Chance, dass Beschäftigte inmitten der Belastungen der modernen Arbeitswelt eine höhere psychische Widerstandskraft (Resilienz) entwickeln können. Glaubt man Peter Bostelmann der ein signifikant gestiegenes Mitarbeiterengagement bei SAP und eine Zunahme an Vertrauen in die Führungskräfte den durchgeführten Achtsamkeitstrainings zuschreibt, dann profitieren die Unternehmen wohl auch wirtschaftlich. Ich weiß nicht wirklich, warum so viele Unternehmen heute auf Achtsamkeit setzen, vielleicht möchten sie Ihren Beschäftigten damit auch ein besseres und menschlicheres Arbeitsumfeld bieten? Nicht nur in Zeiten des Fachkräftemangels ist das vielleicht eine durchaus gute Idee. Ich bin absolut überzeugt davon, dass alle Beschäftigten, nicht nur Führungskräfte, von Achtsamkeit sehr profitieren können. Ein Schlüssel ist gewiss die Achtsamkeit gegenüber sich selbst. Dabei geht es darum, selbstfürsorglich mit sich umzugehen. Die Achtsamkeit gegenüber uns selbst gilt ebenso unseren Bedürfnissen. Und dazu gehört dann freilich auch die Frage, was unser ureigenes Potential ist und wo und wie wir es einbringen könnten. Der Bestsellerautor John Strelecky hat in meinen Augen in Büchern wie „The Big Five For Live: Was wirklich zählt im Leben“ eine sehr facettenreiche Vision davon entwickelt, wie eine menschengerechte und zugleich ökonomisch erfolgreiche Unternehmens- und Führungskultur im Idealfall aussehen kann. Eine Vision übrigens, die in meinen Augen im besten Sinne eine achtsame Vision ist. Wohlgemerkt, diese Ideen scheinen Anklang zu finden, denn sie haben es auf die Bestsellerlisten gebracht.

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Bild: Die Kreativität der Achtsamkeit nutzen

Forschung zu Achtsamkeit im Job

Achtsamkeit liefert gemäß Forschungsergebnissen Effekte, die im Berufsalltag sehr hilfreich sein können. Im Zusammenhang mit „Stress“ bietet die Achtsamkeit ein inzwischen sehr gut untersuchtes Kursformat, nämlich „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“. Schon der Titel zeigt an, dass in diesem Klassiker des Achtsamkeitstrainings eine wichtige Fähigkeit erlernt werden kann, die für das Arbeitsleben sehr vorteilhaft ist: Stress besser bewältigen können. Als Beispiel für Forschungsergebnisse zum Thema Stressreduktion sei hier eine jüngere Übersichtsarbeit (Luken, Sammons 2016) genannt. Darin befinden die Autorinen, dass es starke Belege für den Nutzen von Achtsamkeitstraining bei der Reduzierung von Burnouts im Beruf gibt. Zumindest darf das für Mitarbeiter im Gesundheitswesen und für Lehrer angenommen werden. Aus diesem Berufespektrum stammten nämlich die Teilnehmer der 8 ausgewerteten Studien.

Wenn es um die Erforschung der Achtsamkeit im Kontext der Arbeitswelt geht, gibt es quasi einen Studienklassiker, eine Studie von Davidson, Kabat-Zinn und Kollegen aus dem Jahr 2003. In einem Biotech-Unternehmen wurde eine randomisierte Studie mit Kontrollgruppe durchgeführt. Beschäftigte erhielten einen MBSR-Kurs („Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ nach Jon Kabat-Zinn), eine Vergleichsgruppe erhielt den Kurs erst später. Es wurden EEG-Untersuchungen (Ableitung der Hirnströme) und Blutuntersuchungen durchgeführt. Bei den Blutuntersuchungen ging es um die Reaktion der Studienteilnehmer auf ein injiziertes Influenza-Impfserum. Die Untersuchungen wurden zu verschiedenen Zeitpunkten gleichzeitig bei beiden Gruppen durchgeführt.

Im EEG zeigte sich bei den MBSR-Teilnehmern eine signifikante Hirnaktivität, die für Formen positiven Gefühlsausdrucks, bzw. für positive Gefühls- und Gemütsbewegungen steht. In den Blutuntersuchungen wurde eine eklatant bessere Immunreaktion der MBSR-Teilnehmer festgestellt. Durchaus bemerkenswerte Ergebnisse, oder?

In ihrem Artikel „Kann man Achtsamkeit messen?“, erschienen im Magazin „moment by moment“ (Ausgabe 03, September 2017), haben die Psychologin und Hirnforscherin Dr. Britta Hölzel und die Unternehmensberaterin Claudia Braun eine Übersicht über den aktuellen Forschungsstand zu Achtsamkeit im Unternehmenskontext gegeben. Darin ist mit Verweis auf Studien aufgezeigt, dass Achtsamkeit sowohl ganz allgemein das Wohlbefinden von Beschäftigten (Übersichtsarbeit von Lomas et al aus 2017: 81 Studien mit Beschäftigten des Gesundheitswesens, 3805 Teilnehmer) verbessern kann, als auch ganz spezifische in der Arbeitswelt nützliche Effekte generieren kann:

  • Achtsamkeitstraining kann das Stressempfinden reduzieren. Wie Hölzel und Braun in ihrem Artikel ausführen, korreliert dies mit bestimmten, von Studien belegten strukturellen hirnorganischen Veränderungen: Die Dichte der grauen Substanz in der Amygdala verringert sich, während sie sich im Bereich des Hippocampus verstärkt. Die Amygdala steht für eine Flucht- oder Kampf-Reaktivität im Stress. Ihre Bedutung nimmt demzufolge durch Achtsamkeitstraining ab. Der Hippocampus wiederum ist wichtig für unser Gedächtnis und wohl auch für unsere psychischen Widerstandsfähigkeit (Resilienz). Hier findet demzufolge per Achtsamkeitstraining eine Stärkung statt!
  • „Mittels Achtsamkeitstraining können wir die Fähigkeit, bei der Sache zu bleiben, wieder stärken.“ (Hölzel, Braun) Als erfahrener Meditierender weiß ich aus eigener Praxis, wie sehr eine regelmäßige Meditationspraxis die Konzentrationsfähigkeit begünstigt.
  • Es gibt laut Hölzel und Braun erste Forschungsergebnisse, dass das in der Achtsamkeitspraxis praktizierte „offene Gewahrsein“ unter anderem die Kreativität fördert. Ebenso besagen Studienergebnisse, dass „Achtsamkeit Kreativität (im Sinne von ‚Problemlösung durch Einsicht‘) unterstützt.“ (Hölzel, Braun) Diese Ergebnisse passen freilich sehr gut zur alten buddhistischen Bezeichnung der Achtsamkeitsmeditation (Vipassana) als Ensichtsmeditation.
  • Forschungsdaten lassen schließen, dass auch „soziale Fertigkeiten“ (soziale Kompetenz!) durch Achtsamkeitspraxis verbessert werden. Das betrifft besonders die Qualitäten Mitgefühl und Kommunikationsfähigkeit.

Quelle: Diese Ausführungen nehmen in weiten Teilen Bezug auf den Artikel „Kann man Achtsamkeit messen?“ von Dr. Britta Hölzel und Claudia Braun im Magazin ‚moment by moment‘, Ausgabe 03, September 2017

Kursformate für Unternehmen

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Bild: Achtsam arbeiten

Dieser Bereich ist noch im Entstehen. Zur Zeit habe ich neben dem MBSR-Kursformat nur ein weiteres Format im Angebot. Dieses kann allerdings zeitlich angepasst, d. h. verlängert, werden. Ich bin im Übrigen offen für Anfragen und entwickle gegebenenfalls ein geeignetes Format für einen achtsamkeitsbasierten Kurs in Ihrem Unternehmen.

Aufgrund meines persönlichen Erfahrungshintergrunds (Pflegebereich) beabsichtige ich zumindest auch ein spezielles Format für Pflegekräfte zu entwickeln.

Bei Interesse an einem achtsamkeitsbasierten Kurs zum Umgang mit Stress und zur Gesundheitsprävention mit Achtsamkeit freue ich mich auf den Kontakt mit Ihnen.

Rigobert Hofmann

Stress begegnen mit Achtsamkeit

– 3,5 – Std. Workshop mit 30 min Pause –

Stressbewältigung mit Hilfe einer achtsamen Haltung. Kurzeinführung, Präsentation und praktische Übungen (z. B. Wahrnehmungsübungen, angeleitete Meditationen, ggf. verschiedene Übungen in Zweier- oder Dreiergruppen, etc.).

Format

Enthält unter anderem einzelne Elemente aus dem Kurs „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ (MBSR) nach Jon Kabat-Zinn. Themen: Achtsamkeit – Stress – Stress begegnen mit Achtsamkeit – Achtsame Selbstfürsorge. Auf Wunsch 2-seitiges Handout als PDF oder/und auf Papier.

Der Kurs erläutert Achtsamkeit als eine Haltung zum Leben, insbesondere zu den Herausforderungen des Lebens („Stress“) sowie auch als eine Haltung gegenüber sich selbst (Selbstfürsorge). Die grundlegenden Prinzipien werden erläutert, eine Reihe von Übungen vermitteln eine erste praktische Erfahrung. Im Kurs geht es um einen grundsätzlichen Einblick. Besondere Bedeutung kommt den praktische Übungen zu, die das Verständnis unterstützen sollen. Der Kurs geht insbesondere darauf ein, worauf es im Umgang mit Stress ankommt. Verschiedene einfache Übungen können ohne weiteres sofort in den Alltag integriert werden.

Bitte beachten Sie und bedenken Sie, dass ein 3,5-stündiger Kurs kein nachhaltiges Achtsamkeitstraining bieten kann. Um im Alltag von den möglichen Effekten nachhaltig zu profitieren, braucht es eine dauerhafte persönliche Praxis. Diese kann man sich mit dem Wissen aus diesem Kurs und Literatur gegebenenfalls selbst aneignen. Empfehlenswert und erfolgversprechend ist allerdings ein längeres Achtsamkeitstraining, wie es der 8-wöchige MBSR-Kurs bietet.

Dauer

3 Stunden plus 30 min Pause, insgesamt 3,5 Std.

Anpassungsmöglichkeit:

Unter dem Titel „Selbstfürsorge und Stressbewältigung mit Achtsamkeit“ wurde der Kurs von mir mit sinnvollen Ergänzungen auch schon mit einem zeitlichen Umfang von 3,75 Stunden (5 Unterrrichtseinheiten mit jeweils 45 min) plus zusätzlichen Pausen durchgeführt. Varianten von 3,5 bis zu 6 Stunden Dauer sind möglich.


Nur für Betriebe / Einrichtungen! Geschlossene Gruppen.

Regionales Angebot. Je nach Vereinbarung in Freiburg, Kreis Breisgau-Hochschwarzwald, Kreis Lörrach, Kreis Emmendingen.

Kosten je nach Vereinbarung.

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‘Stress’-Bewältigung durch Achtsamkeit

– 8-Wochen-Kurs nach J. Kabat-Zinn –

Der klassische, grundlegende Trainings- und Einführungskurs für die Achtsamkeitspraxis ist der MBSR-Kurs nach Jon Kabat-Zinn!

Grundsätzlich kann in Betrieben auch ein MBSR-Kurs angeboten werden. Zusammen mit anderen hat Jon Kabat-Zinn selbst dies bereits 2003 in einer Studie mit Beschäftigten einer Biotechnik-Firma gezeigt ( „Alterations in brain and immune function produced by mindfulness meditation.“ Davidson, Kabat-Zinn und Kollegen 2003).